Risiko
06. November 2022
10 Minuten

Das Comeback von Minimum Varianz

Das Jahr 2022 markiert wohl in vielerlei Hinsicht einen Wendepunkt: Krieg in Europa, weltweit grassierende Inflation, Big-Tech Dämmerung, sowie Sorgen um Energie- und Gasversorgung ganzer Volkswirtschaften. Die internationalen Finanzmärkte stehen im Bann der monetären Kehrtwende der wichtigsten Zentralbanken. Die Zeiten, in der die Flut alle Boote hob und passive Indexfonds kaum zu schlagen waren, scheinen nun vorbei.

Galt in den vergangenen Jahren die Unterstützung der Wirtschaft und die Stabilisierung der Finanzmärkte als wichtigste Aufgabe von FED, EZB, SNB und Co., so besinnen sich die Zentralbanken nun wieder auf ihr Kernmandat der Preisstabilität. Das Anziehen der geldpolitischen Zügel löste nicht nur an den Aktienmärkten einen Kursrutsch aus, sondern brockte insbesondere den Anleihenmärkten historische Verluste ein. Ein Extremfall ist hierbei die 100-jährige österreichische Staatsanleihe, die seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte an Wert verloren hat, und von ihrem Höchststand bereits mehr als 70% entfernt ist (Stand 21.10.2022).

Der Paradigmen-Wechsel der Zentralbanken hat somit zu einer Zeitenwende an den Finanzmärkten geführt: «QT» statt «QE» - sprich quantitative tightening anstatt quantitative easing lautet das Credo. Der im Umfang und Geschwindigkeit beispiellose Anstieg der Anleihezinsen verteuert die Refinanzierungskosten für Firmen und Staaten, und drückt durch den Diskontierungseffekt den Wert sämtlicher Anlageklassen. Vor allem sogenannte long-duration Aktien, d.h. Firmen mit weit in der Zukunft liegenden Gewinnen, sind dieses Jahr stark abgestürzt. Viele Technologie-Titel mit vermeintlich zukunftsträchtigem Geschäftsmodell haben sich – wie bereits beim Platzen der Dotcom-Bubble zu Beginn des Jahrtausends – als Luftschloss herausgestellt. Sinnbildlich hierfür ist der Absturz der Ex-Star-Managerin Cathy Woods, deren ARK Innovation ETF year-to-date bei -63% steht und seit seinem All-Time-High im Februar 2021 fast 80% verloren hat. Für Investoren ist die Gewissheit, dass Zentralbanken als «buyer of last resort» einspringen, ebenso dahin, wie das Vertrauen in eine negative Korrelation von Aktien und Anleihen. Aus Rückenwind wurde Gegenwind. Aus «TINA» (There Is No Alternative [… to stocks]) wurden 10-jährige US-Staatsanleihen mit über 4% Zins. Die Zeiten, in der die Flut alle Boote hob und passive Indexfonds kaum zu schlagen waren, scheinen nun vorbei.

In diesem extrem herausfordernden Umfeld wird vielen Anlegern wieder bewusst, dass Risikomanagement ein unabdingbarer Bestandteil des Anlageprozesses ist. Defensive Anlagestrategien mit Fokus auf schwankungsarme Aktien («Low Volatility») waren im liquiditätsgetrieben Bullenmarkt der vergangenen Jahre chancenlos. Das Blatt hat sich nun seit Jahresanfang gewendet, weshalb viele Marktkommentatoren von einem «Comeback» defensiver Strategien, wie unserem Minimum-Varianz Ansatz, sprechen.

Abbildung 1: Renditevergleich mit Aktienbenchmark seit Jahresbeginn

In Abbildung 1 ist die Entwicklung des OLZ Equity World ex CH Optimized ESG (CHF hedged), sowie des MSCI World ex CH (85% CHF hedged)1. Seit Jahresbeginn verbucht der MSCI World ex CH ein Minus von 19.4% (Stand 21.10.2022). Deutlich besser hat der OLZ Equity World ex CH Optimized ESG abgeschnitten. Dank seiner Minimum-Varianz Optimierung, die die Schwankungsanfälligkeit des Gesamtportfolios minimiert, konnte der Fonds seine Verluste eingrenzen und verlor lediglich 13.6%2. Auch beim diesjährigen Maximalverlust zeigen sich die Vorteile der Risikooptimierung: statt 23.1% beträgt der Maximalverlust (d.h. die Differenz von Jahreshoch zum Jahrestief) nur 15.6%, was einer relativen Reduzierung von circa einem Drittel entspricht. Das defensive Risikoprofil spiegelt sich entsprechend auch in der Schwankungsbreite wider: die diesjährige annualisierte Volatilität des OLZ Equity World ex CH Optimized ESG beträgt sehr niedrige 7.1%, wohingegen der MSCI World ex CH auf eine Volatilität von 17.1% kommt. Die zielgerichtete Optimierung des Portfoliorisikos zahlt sich in dieser turbulenten Marktumgebung also voll und ganz aus. Statt auf die Unterstützung der Zentralbanken in Form von wirtschaftlichem Stimulus und sich aufblähenden Bewertungen zu setzen ist aktives Risikomanagement im Aktienportfolio wieder angesagt.

Abbildung 2: Renditevergleich mit Anleihebenchmark seit Jahresbeginn

Ebenfalls interessant ist der Vergleich unseres Minimum-Varianz Fonds mit Staatsanleihen der führenden Industrienationen. Nehmen wir als Vergleich den FTSI World Government Bond Index mit einer sieben- bis zehnjährigen Laufzeit, so sehen wir in Abbildung 2, dass der OLZ Equity World ex CH Optimized ESG seit Jahresbeginn in CHF deutlich weniger Substanz verloren hat (-13.4% vs. -18.1%). Darüber hinaus erzielt unsere risikooptimierte Strategie dieses Jahr sogar eine niedrigere Volatilität als der Anleiheindex FTSI WGI (7.1% vs. 7.3%).

Die niedrigere Volatilität unserer Aktienfonds ermöglicht es unseren Kunden ihr Risikobudget effizienter auszunutzen und eine höhere Aktienquote zu Lasten von Staatsanleihen zu verwenden. Dies hat sich nun doppelt ausgezahlt, da bei positiver Korrelation von Aktien- und Anleihenmärkten die stützende Wirkung von Anleihen nicht vorhanden ist. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und (geld-) politischen Herausforderungen bietet ein risikooptimiertes nachhaltiges Portfolio ein attraktives Chancen-Risikoverhältnis und ist für risikobewusste Investoren daher die Strategie erster Wahl.

[1] Wir betrachten in dieser Analyse die Varianten mit Währungsabsicherung, da wir die aktuell historisch starken Währungsschwankungen ausblenden und uns auf den Effekt der Risikooptimierung fokussieren wollen.

[2] Der MSCI Benchmark berücksichtigt keine ESG Kriterien und beinhaltet daher Firmen der Öl- und Energiebranche. Dies hat dieses Jahr zu einer höheren Rendite geführt im Vergleich zu ESG-konformen Fonds wie dem OLZ Equity World ex CH Optimized ESG (CHF hedged).