Marktgeschehen / Risiko
29. September 2023
5 Minuten

Ein Höhenflug auf tönernen Füssen

Sinkende Volatilität, steigende Kurse – das Anlagejahr 2023 bis dato kurz zusammengefasst. Sorgten 2022 hohe Inflationsraten, Zinserhöhungen und Krieg für Anlegernervosität und negative Aktienperformance, scheinen wir aktuell wieder in einem altbekannten Muster angekommen zu sein.

Eine spezielle, aber nicht ganz unbekannte Marktlage

Die Aktienperformance 2023 erstaunt auf den ersten Blick. Trotz weiter steigenden Zinsen und trüben Wachstumsaussichten verbuchen viele Aktienmärkte ein sattes Plus. Gleichzeitig gab das Marktrisiko (sprich die Volatilität) weiter nach und notiert seit dem Sommer im Bereich historischer Tiefststände. Doch was – oder vielmehr wer – ist für diese Marktkonstellation verantwortlich, die so gar nicht ins ökonomische Bild passt?

Wie bereits im Nachgang des Coronacrashs im Frühjahr 2020 zeigt sich, dass auch im aktuellen Marktumfeld einige wenige Titel die Marktperformance treiben. Und wie damals sind es US Technologiegiganten wie Apple, Microsoft, Amazon, Meta (Facebook) oder Alphabet (Google), welche die erste Geige spielen. War vor drei Jahren primär die durch die Lockdowns beschleunigte Digitalisierung für den Kursschub verantwortlich, sind es heute der Hype rund um das Thema «Künstliche Intelligenz» sowie die Erwartungshaltung, dass sich «Big Tech» im gegenwärtigen Konjunkturabschwung besser behaupten kann als andere Wirtschaftszweige. Was diese Situation für den Gesamtmarkt und ganz speziell für Indexanleger bedeutet, möchten wir nachfolgend aufzeigen.

Klumpenrisiken im scheinbar gut diversifizierten Index

Der Blick zurück zeigt, dass das Gewicht von «Big Tech» in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Per 31.08.2023 machen die grössten 7 Firmen rund 19% des MSCI World aus. Noch vor 5 Jahren belief sich ihr Anteil auf nicht mal die Hälfte. Die Marktkapitalisierung dieses illustren Kreises entspricht heute dem Anteil, den Japan, Grossbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland und die Schweiz zusammen (!) im Index einnehmen. Schaut man nur auf den US-Markt (z.B. auf den breiter gefassten S&P 500 oder den NASDAQ 100 Index) nimmt die Konzentration an der Spitze noch extremere Züge an.

Wie bereits festgestellt, hängt bei diesem hohen Gewicht die Indexperformance zu einem grossen Teil von einigen wenigen Titeln ab. Diese hat 2023 zu einer sehr verzerrten Wahrnehmung des Gesamtmarktes geführt. Für das Plus von 11.3% des MSCI World (per 31.8.2023, in USD) sind zu zwei Drittel die sieben grössten Titel (auch bekannt als «Magnificent Seven») verantwortlich. Der grosse Rest der Unternehmen fällt mehr oder weniger «unter ferner liefen». Das Stimmungsbild an den Aktienmärkten sieht dann gar nicht mehr so rosig aus, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Wie lange hält die Entkopplung von Markt und Zinsen an? 

Die technologielastigen Indexschwergewichte haben sich in diesem Jahr mit ihren Kursavancen komplett von der Zinsentwicklung und damit vom Gesamtmarkt entkoppelt. Dies lässt sich z.B. anhand der Korrelation zwischen dem NASDAQ 100 Index und der Rendite 10-jähriger Treasuries (in Grafik 2 zur besseren Illustration invers dargestellt) zeigen. War die Performance des Technologieindex während Jahren zu Recht sehr stark von der Zinsentwicklung abhängig, brach dieses Muster 2023 auseinander – gewisse «Naturgesetze» scheinen ihre Gültigkeit verloren zu haben. Für passive Anlagelösungen, die den Index 1:1 widerspiegeln, bescherte diese Entkopplung schöne Zugewinne.

NASDAQ Index vs. Verzinsung 10-jähriger US Staatsanleihen

Doch wie lange können sich einige wenige Titel derart stark vom allgemeinen Markttrend loslösen? Dass sich solche extremen Abweichungen früher oder später auch wieder normalisieren, liess sich an den Finanzmärkten immer wieder (teils schmerzhaft) beobachten. Auch was die Konzentration im Index anbelangt, zeigt der Blick in die Vergangenheit, dass sich kaum eine Firma auf ewig ganz vorne hat halten können. Die hohe Konzentration in einem scheinbar gut diversifizierten Indexportfolio kann dann schnell nach hinten losgehen. Werden die ambitionierten Wachstumsaussichten enttäuscht, können die darauffolgenden Bewertungskorrekturen umso heftiger ausfallen.

Abwärtsrisiken reduzieren

Die Methodologie hinter einem Index kann, wie gesehen, seltsame Blüten treiben und zu einem Portfolio führen, welches das Grundprinzip der Diversifikation arg strapaziert. Ein weniger hohes Gewicht in den «Big Tech» Titeln oder im Technologiesektor im Allgemeinen, hätte in diesem Jahr zwar die Performance geschmälert, würde aber in einem besser diversifizierten Portfolio resultieren. Um dieses ist man spätestens dann umso dankbarer, wenn sich Risiken effektiv materialisieren. So geschehen im vergangenen Jahr, als die Technologiewerte angesichts dramatisch steigender Zinsen zu den grössten Verlierern gehörten und die kapitalgewichteten Indizes mit in die Tiefe rissen. Wer auch in diesen Zeiten gut schlafen will, sollte daher seine Anlagerisiken bewusst steuern und nicht blind einem Marktindex vertrauen – auch wenn dieses bewusste Reduzieren der aktuellen Überflieger Disziplin und langfristiges Denken erfordert.

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