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Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen in Bezug auf die Inflationsdynamik

Lesedauer 10 Minuten

Die Beziehung zwischen Anleihen und Aktien ist nicht linear. Steigende Zinsen und Renditen sind nicht zwingend gut oder schlecht für Aktien. Es kommt – wie so häufig – darauf an. Zu Beginn oder in Erwartung einer konjunkturellen Erholung steigen die Anleihenrenditen, typischerweise wegen des erwarteten Drucks auf die Ressourcen und der steigenden Nachfrage, was die Inflationserwartungen nährt. Die Aussichten auf steigende Konsum- und Investitionstätigkeit ist für Aktien aber eigentlich positiv zu werten. In diesem Sinne signalisieren höhere Zinsen (und höhere Inflationserwartungen) ein positives Marktumfeld für Aktien.

Inflation, Realzinsen und Aktienbewertungen

Der weltweite Anstieg in der zweiten Februarhälfte hat den Markt überrascht und sich negativ auf Aktienanlagen niedergeschlagen. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf den US-Treasuries und der Inflation in den USA, die als Richtwert für die Finanzmärkte fungieren. Das aktuelle Niveau von Inflation und realen Renditen liegt aber immer noch weit unter dem Niveau, das historisch als problematisch galt und zu einem strukturellen Gegenwind für Aktien führte.

Wir geben die Analyse wieder, die in einer Studie von Morgan Stanley veröffentlicht wurde. Im Durchschnitt sind höhere Renditen ab einem bestimmten Punkt tatsächlich schlecht für Aktien: Steigt der Verbraucherpreisindex (VPI) und die Realzinsen auf über 3%, war historisch gesehen auch mit niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) zu rechnen. Der aktuelle VPI liegt in den USA aber immer noch unter 2%, die erwartete durchschnittliche Inflation in den kommenden 10 Jahren (gemessen an der Breakeven-Inflation auf inflationsgebundene Staatsanleihen) liegt bei 2.25% und die realen Renditen liegen über die gesamte Kurve hinweg bei null oder gar im negativen Bereich. Es gibt also bei beiden Grössen noch viel Spielraum nach oben, bevor die Bewertungen unter Druck geraten. In Europa und der Schweiz ist die Inflationsdynamik zudem deutlich gedämpfter und definitiv weniger kritisch als in den USA.

Grafik 1 – Bewertung (P/E) vs. Verbraucherpreisindex und Realzinsen

Inflation, reale Zinssätze und die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen

Ein weiterer Aspekt, der für Anleger von großem Interesse ist, sind die Auswirkungen von Zinsen und Inflation auf die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. Der befürchtete Umschwung in dieser Interdependenz braucht wahrscheinlich einen weiteren Anstieg der Inflation. Aktien sind weiterhin negativ mit Anleihen korreliert, und das wird sich tendenziell nicht nachhaltig ändern, bis die Inflation und/oder die realen Renditen über 3% steigen.

Grafik 2 – Korrelation zwischen Aktien und Anleihen

Wenn wir die Korrelation nach Verbraucherpreisindex (VPI) oder Realzinsen segmentieren, sehen wir, dass die Korrelation für ein höheres Inflationsniveau positiv wird. Dies stellt ein erhebliches Problem bei der Vermögensallokation dar, da bei höherem Inflations- und Zinsniveau Anleihen volatiler und riskanter werden. In einem gemischten Portfolio reduziert sich damit nicht nur die stabilisierende Wirkung (Risikoreduktion) sondern auch der Diversifikationseffekt.

Grafik 3 - Korrelation Aktien-Obligationen vs. Verbraucherpreisindex und Realzinsen

Korrelation zwischen Aktien und Anleihen und der Aktienbewertung

Leider ist das noch nicht das Ende der schlechten Nachrichten, die mit steigender Inflation und implizit mit steigender Korrelation zwischen Anleihen und Aktien einhergehen: Die Bewertung schrumpft im Durchschnitt bis zu 20%, was eine negative Aktienperformance nach sich zieht.

Grafik 4 - Aktienbewertung abhängig von der Aktien-Obligationen Korrelation

Wir können nicht vorhersehen, wo Inflation, Nominal- und Realzinsen in Zukunft liegen werden. Das derzeitige Niveau der Realzinsen und der Inflation scheint noch kein Problem darzustellen – zumindest basierend auf langfristigen historischen Daten. Dennoch haben unorthodoxe geld- und fiskalpolitische Maßnahmen in den letzten Jahren Befürchtungen über einen erheblichen Anstieg der Inflation geschürt. Basierend auf der oben erwähnten historischen Evidenz für die USA kann dies Probleme für die Asset Allocation und die Performance eines gemischten Portfolios bedeuten. Bei einem starken Inflationsanstieg neigen Anleihen zu höherer Volatilität und positiver Korrelation mit Aktien, was zu einer geringeren Risikoreduktion und Diversifikation führt.

Eine risikooptimierte Asset Allokation hilft, näher am Risikobudget zu bleiben, Risiken zu reduzieren und Verluste zu begrenzen. Wir beraten Sie gerne, wie Sie Ihr Portfolio stabilisieren und Ihre Anlageziele effizienter und sicherer erreichen können.

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