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COVID-19 und der undifferenzierte Ausverkauf

Lesedauer 10 Minuten

Gegensätzlicher hätte sich der Februar wohl kaum präsentieren können. Von neuen Rekordständen an den Aktienmärkten, hin zur schieren Panik und der Flucht in die sicheren Häfen hat es nur einen gefühlten Wimpernschlag gedauert. Die an dieser Stelle wiederholt erwähnte Fragilität der Märkte, hat sich in den letzten Tagen des Monats in starken Kursverlusten materialisiert.

Doch der Reihe nach. Während den ersten drei Februarwochen sah alles nach einer Fortführung des performancemässig äusserst starken 4. Quartals 2019 aus: Die Volatilität auf tiefem Niveau, die Kurse in luftiger Höhe, der Optimismus der Anleger ungebremst. Während dieser Phase konnten unsere risikobasierten Aktien- und Obligationenstrategien erwartungsgemäss nicht mit den jeweiligen Marktindizes mithalten und lagen deutlich zurück (untenstehende Abbildung zeigt dies beispielhaft anhand der Februarperformance unseres OLZ Equity World Optimized ESG).

Doch plötzlich realisierte die westliche Welt, dass sich COVID-19 von einer regionalen Krise zu einer globalen Pandemie ausbreiten wird. Dieser Wandel in der Wahrnehmung erzeugte massive Schockwellen in einem bereits sehr kritischen Umfeld für Konjunktur und Finanzmärkte:

  • Die Weltwirtschaft verzeichnete 2019 das schwächste Wachstum seit der Finanzkrise von 2008 - ganz besonders im 4. Quartal: Der Verarbeitungssektor schrumpfte erheblich, das BIP-Wachstum fiel in Japan negativ und in China so tief wie seit 27 Jahren nicht mehr aus.
  • Zahlreiche Aktienindizes erreichten bis Mitte Februar neue historische Höchststände. Diese Marktavancen basierten hauptsächlich auf der Vorwegnahme einer kräftigen wirtschaftlichen Erholung im ersten Halbjahr 2020.
  • Als 2003 SARS ausbrach, machte Chinas Wirtschaftsleistung rund 8% des globalen BIPs aus. Mittlerweile ist dieser Anteil auf 20% angestiegen. Dieser Umstand gibt insofern Anlass zur Sorge, als dass China heute eine deutliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums droht.
  • Für 2020/21 wurde ein durchschnittliches Gewinnwachstum in zweistelliger Höhe erwartet – eine Prognose die mit grosser Wahrscheinlichkeit signifikant nach unten korrigiert werden dürfte.

Vor diesem Hintergrund folgte dann das, was man als undifferenzierten Ausverkauf betiteln kann.

Doch weshalb «undifferenziert»? Vergleichen wir hierzu den eben erlebten Kursrücksetzer mit dem 4. Quartal 2018 (damals zitterten die Märkte vor einer restriktiveren Geldpolitik). Die prozentuale Korrektur (hier am Beispiel des MSCI Welt), begleitet von stark ansteigender Volatilität, fiel bei beiden Events in vergleichbarem Ausmass aus. Betrachtet man nun die Performance der einzelnen Sektoren, bietet sich einem ein gänzlich anderes Bild. Während im Q4 2018 eine klare Rotation von zyklischen in defensive Sektoren erfolgte, wurde in den vergangenen Tagen, unabhängig von der Sektorenzugehörigkeit, gänzlich alles auf den Markt geworfen. Aus diesem Verhalten lässt sich ablesen, dass das Februar-Intermezzo noch keine Bereinigung der hohen Gewinnerwartungen in den Sektoren beinhaltete, die in den vergangenen Monaten am stärksten zugelegt hatten (z.B. IT, Kommunikationsdienste oder Nicht-Basiskonsumgüter).

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie sich die OLZ-Strategien während der Marktkorrektur geschlagen haben. Grundsätzlich konnten unsere Aktienfonds die Verluste im Vergleich zu den Benchmarks eindämmen und die Obligationenstrategien mit Fokus auf qualitativ hochwertige Staats- und Unternehmensanleihen zulegen. Das Diversifikationsprinzip auf Portfolioebene hat sich also einmal mehr bewährt. Über den ganzen Monat gesehen konnten unsere Aktienfonds keine deutliche Outperformance erzielen oder schnitten gar marginal schlechter als die jeweilige Benchmark ab. Die Performance Analyse zeigt, dass unsere Aktienstrategien aufgrund des oben beschriebenen, undifferenzierten Ausverkaufs, den Markteinbruch nicht ganz so erfolgreich abfedern konnten, wie dies z.B. im Q4 2018 der Fall war. Die risikobewusste Titelselektion brachte zwar einen Mehrwert, doch der undifferenzierte Verkauf zyklischer und defensiver Titel liess unsere Outperformance gegenüber dem Marktdurchschnitt tiefer ausfallen. Schlägt sich diese globale Epidemie jedoch auf das Gewinnwachstum nieder, wird dies allen voran zyklische Werte treffen. Unsere defensivere Sektorallokation wird dann wieder helfen, allfällige weitere Verluste zu reduzieren.

Für die kommenden Wochen und Monate bleiben wir zuversichtlich, dass die Grundpfeiler unserer Anlagestrategie, Diversifikation und Risikomanagement, beim Überstehen dieser unsicheren und kritischen Marktphase einen klaren Mehrwert erbringen werden.

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