Nachhaltigkeit wird zum neuen Anlagestandard

OLZ Newsletter 02/2018

Nachhaltigkeit mausert sich gerade vom Nischenthema zum neuen Standard für institutionelle Anleger. Der sechste OLZ Smart Investing Day 2018 zeigte auf, wie Nachhaltigkeitskriterien (engl. ESG für Environmental, Social und Governance) ohne Renditeeinbusse in den Anlageprozess integriert werden können.

Aus der alternativen Ecke in den Fokus der Pensionskassen und Versicherungen: Von institutionellen Anlegern wird zunehmend verlangt, dass sie Nachhaltigkeitskriterien in ihren Anlageprozess miteinbeziehen. Auch viele Privatanlegerinnen und -anleger investieren lieber in Firmen, die ökologisch und sozial Verantwortung übernehmen. Nachhaltig Anlegen ist allerdings nicht ganz trivial und wirft viele neue Fragen auf: Wie setzen wir Nachhaltigkeit effektiv um? Welche ESG-Kriterien (engl. für Environmental, Social and Governance) wenden wir an – und wie streng? Hinzu kommt die Renditefrage, welche Stiftungsräte von Pensionskassen umtreibt: Empirisch ist schliesslich erwiesen, dass sogenannte «Sin Stocks» von Firmen, die in gesellschaftlich kontroversen Branchen wie in der Waffenindustrie oder in der Alkohol- und Tabakherstellung tätig sind, regelmässig rentabler sind als der Marktindex. Geht Nachhaltigkeit also auf Kosten der Rendite? Etwas, das sich die wenigsten Pensionskassen angesichts der tiefen Zinsen leisten könnten.​

Der 6. OLZ Smart Investing Day am 24. Januar in Bern bot eine Plattform für den Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen institutionellen Anlegern und der Finanzwissenschaft, die auch 2018 rege genutzt wurde. Sabine Döbeli (CEO, Swiss Sustainable Finance) steckte in ihrem Eröffnungsreferat das Thema ab: Was bedeutet nachhaltiges Anlegen? Welche Umsetzungsmöglichkeiten gibt es? Und wohin führt der Trend? Pius Zgraggen (Gründungspartner und CEO, OLZ) zeigte auf, wie Nachhaltigkeit ohne Renditeeinbusse in den Anlageprozess von OLZ integriert wird. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kaspar Hohler (Chefredaktor, Schweizer Personalvorsorge).

Institutionelle Vermögen als Wachstumstreiber

Sabine Döbeli ist überzeugt, dass nachhaltiges Anlegen mehr ist als eine neue Modeerscheinung der Finanzindustrie. Nicht hohe Renditeversprechen von Banken lösten den Trend aus, sondern der Einfluss von Umweltorganisationen, Medien und Öffentlichkeit. In mehreren europäischen Ländern spielten auch Änderungen in der Regulierung eine Rolle. In der Schweiz geht der starke Zuwachs in nachhaltige Anlagen vor allem auf das Konto der institutionellen Investoren, insgesamt werden 266 Mrd. CHF nachhaltig angelegt (Stand 2016). Dennoch nimmt die Schweiz keine Pionierrolle ein, auch weil sie, anders als etwa Frankreich oder Grossbritannien, auf den freiwilligen Weg setzt. Begrüsst wird die Umstellung auf Nachhaltigkeit auch von den Begünstigten der Pensionskassen. Diese wären gemäss einer Umfrage sogar bereit, dafür eine Renditeeinbusse in Kauf zu nehmen. «Ihnen fehlt das Sprachrohr, um aktiv Einfluss zu nehmen» stellt Döbeli jedoch fest.

Verbesserung der Risiko-Rendite-Effizienz

Der Ball liegt also bei den Vorsorgeeinrichtungen. Gemäss Sabine Döbeli genügt es nicht, wenn sich diese ein grünes Kleid – sprich ein paar nachhaltige Anlagen – zulegen, oder besonders anrüchige Titel aus dem Portfolio ausschliessen. «Der Stiftungsrat kommt um eine grundsätzliche Diskussion über die Werte, Motivation und Ziele nicht herum». Dass für die PK-Verantwortlichen primär die Rendite – und nicht ethische Überlegungen – im Zentrum stehen, ist für Döbeli selbstverständlich: «Das ist schliesslich ihre Aufgabe». Damit die Umstellung auf Nachhaltigkeit nicht zu einer Renditeeinbusse führt, sollten die ESG-Kriterien von Beginn an in die Finanzanalyse und das Portfoliomanagement integriert werden. Das führt zu einem besseren Resultat als reine Ausschlusskriterien festzulegen, ist aber auch anspruchsvoller. «Integrierte Ansätze gehen nicht zulasten der Performance. Sie können das Risiko-Ertrag-Profil sogar verbessern», sagt Döbeli. Bei der Umsetzung sei es nicht nötig, alles selber zu machen: «Sie können den Ball auch weitergeben an Consultants und Asset Manager.» Es gebe für (fast) alle Anlagekategorien gute Lösungen.

ESG und Minimum Varianz: Traumpaar gefunden

Seit Ende 2017 sind alle OLZ Fonds nachhaltig – und sie rentieren deshalb nicht schlechter (vgl. OLZ Research Note «Minimum Varianz – eine harmonische Beziehung», Januar 2018). Dieser Umstellung gingen drei Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit voran. Wobei für OLZ klar war, dass keine «Feigenblattlösung» in Frage kommt, also nicht einen einzelnen nachhaltigen Fonds aufzulegen: «Wir wollen die ESG-Kriterien fest in unseren risikobasierten Anlageprozess integrieren, ohne ihn zu verwässern», sagt Pius Zgraggen. Deshalb berücksichtigt OLZ nicht nur Ausschlusskriterien, sondern wendet ESG-Kriterien auch im Rahmen der Portfoliooptimierung an.

Genau zum richtigen Zeitpunkt erschien eine neue Studie, welche ein Mysterium klärt: Warum die «Sin Stocks», die so etwa das Gegenteil von gesellschaftlicher Nachhaltigkeit verkörpern, eine überdurchschnittliche Performance erzielen: Nicht, weil sie «sündigen», sondern weil es sich um besonders profitable Firmen handelt, die einen stabilen Cash-Flow und eine tiefe Verschuldung ausweisen – alles Eigenschaften, welche auch für Low-Volatility-Titel gelten. Pius Zgraggen erklärt: «Das gleiche Resultat lässt sich erzielen, wenn man ESG-Kriterien und Low Volatility kombiniert». Nachhaltigkeit lässt sich deshalb besonders gut mit einem risikobasierten Anlageansatz wie OLZ Minimum Varianz umsetzen: Weder führt es zu einer Renditeeinbusse, noch verwässert sich dadurch der Anlageansatz: Firmen, deren Aktienpreise geringer schwanken als der Markt, sind häufig auch umsichtig geführt. Kurzum: Minimum Varianz und Nachhaltigkeit harmonisieren bestens zusammen. Pius Zgraggen ist sich bewusst: «Wo immer ein Traumpaar sich findet – eine Portion Glück gehört auch dazu».