OLZ Marktkommentar Q2 2019

Ein Gipfelsturm auf schmalem Grat

Lesedauer 10 Minuten
  • (Geo)politische Risiken und Handelskrieg belasten Wirtschaft und Märkte
  • FED & EZB zurück im «Easing Modus» 
  • Aktienmärkte auf neuen Höchstständen - EUR- und CHF-Zinsen rutschen tiefer ins Minus, inverse USD-Kurve beunruhigt
Die Tendenz zum Medikamentenmissbrauch

Die erneuten Zentralbankinterventionen zur kurzfristigen Beruhigung der Finanzmärkte und zur Unterdrückung der Volatilität weisen gewisse Parallelen zum weltweit zunehmenden Antibiotikakonsum auf. Ein Mittel, das einst eingesetzt wurde, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft waren, ist zur gängigen Praxis geworden. Die Interventionen haben nicht nur Nebenwirkungen, sondern führen auch dazu, dass ihr Einsatz an Wirksamkeit verliert.

Im Mai kam es zu einer scharfen Marktkorrektur. Auslöser waren der Handelskrieg zwischen den USA und China und die Eskalation im Iran, die ihre Spuren in einer rückläufigen Wachstumsdynamik hinterlassen. Dies rief die Zentralbanken auf den Plan, die erneut zur Liquiditätskeule griffen. Eine geldpolitische Normalisierung ist damit in weite Ferne gerückt. EZB und SNB werden die Zinsen noch tiefer in den negativen Bereich drücken und auch an den aufgeblähten Bilanzen wird sich nichts ändern. Das FED wird wohl Ende Juli die Zinsen senken – nur 7 Monate nach der letzten Erhöhung.

Konditioniertes Verhalten mit Erfolgsaussichten

Jeder kennt die Regel «never fight the central bank». Auf die neuen Interventionen antworteten die Anleger mit der entsprechenden pawlowschen Reaktion. Sämtliche Risiken und Unsicherheiten waren wie weggeblasen. Aktienindizes wie S&P 500 oder SPI erreichten im Juni neue Höchststände. Auch High Yields, Gold und sogar Bitcoins legten zu. Eigentlicher Treiber der Finanzmärkte sind jedoch nicht die Zentralbankaktivitäten, sondern die Unternehmenserträge. Das Ertragswachstum hat in den letzten 9 Monaten abgenommen – dies bei nach wie vor hohen Bewertungen. Implizit gibt sich der Markt bzgl. der zukünftigen Ertragslage sehr optimistisch. Zu optimistisch? Der Blick auf die USD-Zinskurve verheisst jedenfalls nichts Gutes: Inverse Kurven deuten i.d.R. auf eine kommende Rezession hin. Ob die Medikamente der Zentralbanken dann noch wirken, ist fraglich.

Klar, die Notenbanken versuchen nur ihrer Aufgabe nachzukommen. Mit Erfolg haben sie in den letzten Jahren der Politik Zeit erkauft. Zeit für Reformen
oder für weitere Massnahmen zur Wirtschaftsförderung wie z.B. Infrastrukturinvestitionen. Die erkaufte Zeit verstrich weitgehend ungenutzt.

Erhöhtes Risikobewusstsein

Unsere Bedenken im letzten Marktkommentar, dass die Märkte nicht wie ein «Perpetuum Mobile» weiterlaufen können, sind nach wie vor gültig. Tatsächlich ist ein zunehmend defensiveres und risikobewussteres Anlegerverhalten zu beobachten. Dies reflektiert sich auch in der Fondsperformance. Die relative Performance unserer Fonds ist im Q2 besser ausgefallen, als wir in einer derartigen Marktsituation erwartet hätten. Einige Aktienstrategien konnten gar eine Outperformance erzielen (USA, Welt Developed, Schweiz). Unsere Bondfonds beendeten Q2 ebenfalls im Plus, konnten aber aufgrund tieferer Duration und einem Untergewicht im USD-Zinsraum nicht mit der Benchmark mithalten.

Schweizer Anleger stehen vor herausfordernden Jahren. Die Konsequenzen der Negativzinsen für die Asset Allocation sind schwerwiegend. Es besteht der Anreiz auf komplexe, teure und illiquide Anlagen auszuweichen. Die Anleger sind jedoch besser beraten, stattdessen auf mehr Effizienz zu setzen. Unsere risikooptimierten Obligationen- und Aktienlösungen haben gezeigt, dass sie genau in solchen Situationen einen Mehrwert erbringen und für Stabilität im Portfolio sorgen.