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Marktkommentar

2. Quartal 2020

Lesedauer 15 Minuten
  • Die Zentralbanken und Regierungen lancierten in Q2 eine der eindrücklichsten Erholungsrallys der Finanzmarktgeschichte. Typischerweise reagieren risikobasierte Strategien in dieser Phase etwas verhaltener.
  • Die Marktbewegungen implizieren, dass die negativen Auswirkungen von Covid-19 auf die Märkte nur kurzfristiger Natur sind. Die Erneuerung und Digitalisierung der Wirtschaft sowie der Infrastruktur hingegen werden beschleunigt.
  • Die Abkopplung der Finanzmärkte von der sozioökonomischen Dynamik erstaunt so manchen Beobachter. Bei der hohen Verschuldung und den Unsicherheiten bezüglich dem auf Globalisierung basierenden Wirtschaftsmodell ist durchaus etwas Vorsicht geboten.


Balkonapplaus fürs Spitalpersonal – und nun auch für die Zentralbanken?

Die Zentralbanken und Regierungen orchestrierten mit Hilfe eines unkonventionellen Massnahmenpakets eine der stärksten Markterholungen der Geschichte. Das Problem mit solchen Massnahmen: Sind sie einmal eingeführt, bringt man sie kaum mehr weg, sie machen regelrecht süchtig. So war beispielsweise eine Normalisierung im Sinne von positiven Zinsen, schrumpfenden Notenbankbilanzen und abnehmenden Schuldenbergen in den letzten fünf Boomjahren immer wieder ein Ziel. Erreicht wurde jedoch nichts. Nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen sitzen auf rekordhohen Schuldenbergen. Die Zentralbanken konnten für die betroffenen Firmen zwar etwas Zeit gewinnen und ihnen den Zugang zum Kreditmarkt aufrechterhalten. Das Risiko von Insolvenzen ist aber nach wie vor präsent.

Die Corona-Krise hat die Anfälligkeit der Finanzmärkte und der Weltwirtschaft deutlich vor Augen geführt und gezeigt, dass es höchste Zeit für ein nachhaltigeres Wirtschaftsmodell ist. Die Globalisierung wie wir sie bisher kannten, bereits durch zahlreiche geopolitische Konflikte angegriffen (z.B. USA vs. China), wird nun ernsthaft infrage gestellt. Viele Ökonomen sehen den langfristigen strukturellen und fundamentalen Herausforderungen mit Sorgenfalten entgegen.

Bottom-Up: Analysten und Investoren mit mehr Zuversicht

Auf der anderen Seite stehen Investoren und Analysten, die sich mehr mit den einzelnen Unternehmen und weniger mit den langfristigen Konsequenzen der Corona-Krise auf die globalisierte Wirtschaft auseinandersetzen. Sie sehen in der Pandemie keine Gefahr für unser Wirtschaftsmodell. Im Gegenteil: Die Krise beschleunigt die Erneuerung der Wirtschaft und der Infrastruktur. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass mit den Zentralbanken im Rücken kaum etwas schiefgehen kann. Der wirtschaftliche Schock dürfte ihrer Meinung nach im Schnitt nicht ganz so heftig ausfallen. Ein Impfstoff wird sich sicher auch bald finden und es dürfte wieder neue Investitionen geben – gerade im Bereich der digitalisierten Wirtschaft. Sprich: nach 3-5 Jahren sind wir was Unternehmensgewinne anbelangt wieder auf Vorkrisenniveau.

Preisniveaus von riskanten Anlagen reflektieren optimistische Analystenerwartungen, aber die Marktrisiken bleiben überdurchschnittlich hoch

Die Aktienmärkte konnten sich im Windschatten der Zentralbanken in Rekordtempo von den Verlusten im März erholen. Der S&P 500 hatte eines der stärksten Quartale seiner Geschichte. Der Nasdaq erreichte ein neues Allzeithoch. S&P 500, DAX, SPI und Nikkei weisen nur noch ein einstelliges Minus auf – dies wohlbemerkt nach einem katastrophalen Q1. Wachstumsaktien legten weiter zu und ihre Bewertungen notieren auf historischen Höchstständen. Die Zinsen liegen weltweit nahe Null oder darunter, was die Anleger umso mehr in riskantere Vermögenswerte wie Aktien drängt. Aktien scheinen einmal mehr alternativlos zu sein. Trotz der starken Erholung liegt das Marktrisiko weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt.

Dank der Liquiditätsflut der Notenbanken konnten wir im letzten Quartal eine extrem hohe Emissionstätigkeit von Anleihen beobachten – auch bei den Schuldnern mit schlechter Bonität. Die Kreditaufschläge sanken weiter. Wir sind aber nach wie vor weit vom Niveau von anfangs Jahr entfernt. Die Gefahr von Insolvenzen scheint also doch nicht aus den Köpfen der Anleger verschwunden zu sein.

Starker Rebound = Underperformance für risikobasierte Strategien

Wie der breite Markt, legten auch unsere Aktienfonds im Q2 zu und konnten so einen Teil der Verluste aus dem Q1 wieder wettmachen. Wie schon öfters zu beobachten war, können risikobasierte Strategien in einer starken Erholung kaum mit den kapitalgewichteten Indizes mithalten. So war es z.B. im Nachgang der Finanzkrise von 2008. Auch dieses Mal liegen unsere Strategien klar zurück. Momentan liegen insbesondere Technologietitel im Fokus der Anleger. Die Corona-Krise hat die Digitalisierung beschleunigt. Das Interesse an Firmen, die die Dienstleistungen anbieten, die von zuhause aus bezogen werden können, ist massiv gestiegen. Kein Wunder also, konnten sich Firmen wie Apple, Shopify, Citrix, Zalando oder Alphabet im besten Licht präsentieren. Solche Aktien sind meist hoch bewertet. Ihr Preis rechtfertigt sich in erster Linie durch hohe Erwartungen bzgl. Ertragswachstum. Damit einher geht meist auch ein höheres Risiko. Unser risikobasiertes Modell bevorzugt hingegen stabilere Werte. Daher trug das Untergewicht in solchen Wachstumsaktien seinen Anteil zur Underperformance bei.

Hochwertige Anleihen sind nach dem Liquiditätsengpass vom März wieder gefragt

Im Q1 erlebten wir eine extrem grosse Nachfrage nach Liquidität. Dies führte zum Ausverkauf von qualitativ hochstehenden Staatsanleihen. Speziell in eher illiquiden Märkten wie dem CHF-Anleihenmarkt führte dies zu starken Ausschlägen. Im Q2 waren Staatsanleihen mit hoher Bonität jedoch wieder gesucht – mit nachgebendem Zinsniveau lag gar eine positive Performance drin. Unsere Obligationenfonds schlossen das Quartal trotz besserer Schuldnerqualität und leicht tieferer Duration nur marginal hinter der jeweiligen Benchmark ab.

Bewährtes Basisrezept: Disziplin

Wir sind nicht in der Lage zu beurteilen, welche langfristigen (positive oder negative) Effekte die Corona-Krise haben wird und ob die optimistischen Investoren richtigliegen und die Markterholung ihre Fortsetzung findet. Was wir jedoch sagen können ist, dass sich die Unsicherheiten in den letzten Monaten definitiv nicht verringert haben und bei Anlagen jeglicher Art nach wie vor Vorsicht geboten ist. Selbst wenn die Zentralbanken Ihre unkonventionellen Massnahmen weiterhin ausspielen und die Volatilität unterdrücken können, sind wir der Meinung, dass unser risikobasierter Ansatz weiterhin seine Berechtigung hat. Diese Position zu vertreten, ist nach einem Quartal mit klarer Underperformance sicher nicht einfach. Es ist Geduld und Disziplin gefragt. Die Vergangenheit lehrt uns jedoch, dass insbesondere in diesen Situationen die Diversifikation und das Risikomanagement im Fokus bleiben müssen.

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