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Marktkommentar

Q3 2021

Lesedauer 10 Minuten
  • Das Angebot kann derzeit mit der Nachfrage nicht Schritt halten und befeuert damit die Preisentwicklung. Auch wenn die aktuell hohe Inflation als vorübergehend angesehen wird, will die FED ihre lockere Geldpolitik und damit die Nachfrage zügeln.
  • Weltweiter Zinsanstieg im 3. Quartal führte zu negativen Anleihenmärkten. Die CHF-Zinskurve liegt immer noch im negativen Bereich, aber die längeren Laufzeiten nähern sich der Nullmarke.
  • Wendepunkt im September: Aktienmärkte reagierten negativ auf steigende Zinsen und nachlassende Konjunkturdynamik. Anleger ziehen sich aus hoch bewerteten Titeln zurück. Schweizer Aktien gehörten zu den grössten Verlierern.
  • Der chinesische Markt stand aufgrund der anhaltenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, des harten Durchgreifens der Regierung gegen den Technologiesektor und der Gefahr eines Konkurses von Evergrande besonders unter Druck.

Unbeschwerter Sommer

Mit einem starken ersten Halbjahr im Rücken starteten die Anleger beschwingt ins 3. Quartal. Die rekordhohe Inflation wurde als vorübergehendes Phänomen betrachtet und die nachlassende Konjunkturdynamik galt als Garantie dafür, dass die Zentralbanken (insbesondere die FED) nicht von ihrer ultralockeren Geldpolitik abweichen würden. Auch die Covid-Deltavariante hatte an Schrecken eingebüsst und ihre Folgen werden mittlerweile als überschaubar angesehen. So setzten die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend fort und erreichten Ende August neue historische Höchststände. Gleichzeitig sanken die Zinsen und die Zinskurven flachten ab. Wie die Aktien entwickelten sich auch die Anleihen in den ersten beiden Monaten des Quartals gut.

September Blues

Im September jedoch kippte die Stimmung. Insbesondere die Aussage der FED, dass sie bereits im November mit der Drosselung ihrer Wertpapierkäufe (bisher 120 Mrd. USD pro Monat) beginnen könnte, verunsicherte die Marktteilnehmer. Dass dieser Moment irgendwann kommen würde, wusste eigentlich jeder. Doch auch schon in der Vergangenheit stieg bei diesem Thema der Puls der Anleger, sobald es konkreter wurde. So gaben auch dieses Mal Aktien- und Obligationenanlagen nach, was im Q3 zu einer positiven Korrelation zwischen diesen beiden Anlageklassen führte. Die Zinsen legten zu – insbesondere bei den längeren Laufzeiten. Die CHF-Zinskurve bildet hier keine Ausnahme: Sie bleibt weiterhin im negativen Bereich, auch wenn die längeren Laufzeiten nicht mehr weit von Null entfernt sind.

Risikobewusstsein der Industrieländer gegenüber den Schwellenländern

Die europäischen Märkte, einschließlich der Schweiz, schlossen das Quartal im Minus ab. Die übrigen Märkte (inklusive Schwellenländer) gaben die Gewinne der ersten beiden Monate im September größtenteils wieder ab, konnten das positive Vorzeichen aber bis zum Quartalsende hin retten. Die Marktrisikoindikatoren stiegen in den Industrieländern im Q3 nur geringfügig an und liegen weiterhin unter dem langfristigen Durchschnitt. Ein anderes Bild präsentierte sich in den Schwellenländern: Die Risikoindikatoren und die Risikoaversion der Anleger legten deutlich zu – insbesondere aufgrund der Verwerfungen in China. Auslöser dafür waren die Abschwächung des Wirtschaftswachstums, staatliche Eingriffe in sensible Sektoren wie der IT-Branche und der drohende Kollaps des Immobilienentwicklers Evergrande. Im Gegensatz zu den entwickelten Märkten waren die Anleger in den Schwellenländern viel stärker darauf bedacht, ihre Anlagen in defensivere Titel umzuschichten. Unsere risikobasierte Strategie lieferte hier den gewünschten Schutz und konnte den Vergleichsindex deutlich übertreffen. In den anderen Aktienmärkten lag unsere Strategie in den meisten Fällen im Bereich der Benchmark oder leicht dahinter.

Steht uns ein garstiger Herbst und Winter bevor?

Es wird immer deutlicher, dass die Schwäche der Wirtschaft auf einen Angebotsengpass zurückzuführen ist, der nicht so bald überbrückt werden dürfte. Die Tatsache, dass das Angebot die Nachfrage nicht decken kann, ist die Schulbuchrezeptur für Inflation. Bislang überwiegen noch die Stimmen, die eine rückläufige Nachfrage erwarten und den derzeitigen Inflationsdruck, auch dank weniger expansiver Geldpolitik, als kurzfristigen Effekt betrachten. Nichtsdestotrotz steigen die Zinssätze. Und diesmal ist das eher mit einer Abschwächung als mit einer Stärkung der Wirtschaft verbunden, wie es noch letzten Februar/März der Fall war. Die Kombination aus steigenden Zinsen und einer sich abschwächenden Wirtschaft ist für die Aktienmärkte und insbesondere für Titel mit hoher Volatilität (z.B. Technologiewerte) sehr ungünstig.

Vorsorgen für stürmischere Zeiten

Die Unsicherheit bei den wirtschaftlichen Variablen (Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinssätze) nimmt zu. Darüber hinaus treten wir in eine heikle Phase ein, was die Geldpolitik der einflussreichsten Zentralbank, der FED, betrifft. Aktien und Anleihen weisen aktuell eine positive Korrelation auf, was bei der Vermögensallokation angemessen berücksichtigt werden sollte. Vor diesem Hintergrund sind wir der Meinung, dass unser risikobasierter Ansatz eine attraktive Möglichkeit bietet, in überlegter und bewusster Form am Markt investiert zu bleiben. Zur Sicherheit mit einer zusätzlichen Decke ausgestattet zu sein, macht den Winter gleich viel erträglicher.

OLZ CIO Carmine Orlacchio

Carmine Orlacchio

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