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Marktkommentar Q4 2019

Würdiges Finale eines Rekordjahres

Lesedauer 10 Minuten
  • Zentralbanken unterdrücken weiterhin die Volatilität und bleiben der wichtigste Treiber der Marktavancen
  • Aktien auf historischen Höchstständen – stolze Bewertungen bewegen sich auf dünnem Eis
  • Optimismus lässt Sorgen um Konjunktur und (geo-)politische Risiken verblassen


Zurück in der Komfortzone

Wie stark der Aktivismus der Zentralbanken mit der Rekordjagd an den Märkten zusammenhängt, lässt sich beispielhaft an der Gegenüberstellung der beiden letzten Quartale von 2018 und 2019 illustrieren. Vor einem Jahr lag der Fokus auf der Normalisierung der Geldpolitik. Die Ankündigung der Zentralbanken, ihre Bilanzsummen zu reduzieren, führte an den Finanzmärkten zu starken Volatilitätsausschlägen und einer Korrektur, wie wir sie seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hatten. Die Reaktion der Währungshüter folgte auf dem Fusse. Anfang 2019 befand man sich relativ rasch auf dem Weg zurück zur «neuen Normalität»: Die Bilanzen wurden wieder aufgebläht und die Zinsen nach unten gedrückt. Damit präsentiert sich die Situation im Q4 2019 genau umgekehrt als im Q4 2018. Die Volatilität dümpelte auf historisch tiefem Niveau, während die Aktienindizes von einem Höchststand zum nächsten galoppierten. Wir befinden uns wieder in der von den Zentralbanken wohlbehüteten Komfortzone. Im Grunde genommen haben wir auch nichts dagegen einzuwenden. Schliesslich konnten die Finanzmärkte Ende Dezember die beste Jahresperformance seit zehn Jahren realisieren.

Bewertungen implizieren «Best Case»

Zwar konnten die Unternehmensresultate sowohl im Q4 als auch im gesamten Jahr 2019 überzeugen, doch die Bewertungen – wohlbemerkt einer der wichtigsten Treiber hinter der Aktienmarktentwicklung – haben sich in den letzten zwölf Monaten derart ausgeweitet, wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Die in den Bewertungen eingepreisten Erwartungen sind hoch angesetzt und implizieren starkes Ertragswachstum und tiefe Kreditspreads. Zwar legte das globale Zinsniveau im Q4 leicht zu, befindet sich aber immer noch auf historisch tiefem Niveau und schränkt damit den Handlungsspielraum der Notenbanken deutlich ein. Die Erwartungen der Anleger sind derzeit derart hoch gesteckt, dass selbst die kleinste Enttäuschung das Potenzial zu einer signifikanten Kurskorrektur hat. In Wirklichkeit hat sich die wirtschaftliche und (geo-)politische Grosswetterlage nicht derart gebessert, wie dies die aktuellen Höchststände suggerieren: Trotz eines letzthin etwas weniger gehässigen Untertons ist der Handelskrieg zwischen China und den USA noch lange nicht beigelegt. Der Brexit wird nun zwar geordnet abgewickelt, doch die konjunkturellen Implikationen sind nach wie vor nur schwer abschätzbar. Die Eskalationsspirale in der Auseinandersetzung zwischen den USA und Iran dreht sich immer schneller – mit unbekanntem Ausgang. Stabilität sieht definitiv anders aus.

Plädoyer für ein diszipliniertes Risikomanagement

Wir wollen mit unseren mahnenden Worten nicht den ewigen Schwarzseher spielen. Unsere Aufgabe besteht jedoch nicht darin, Zweckoptimismus zu verbreiten, sondern die Marktdynamik mit der erforderlichen Distanz zu analysieren. Wir möchten unsere Kunden insbesondere daran erinnern, dass ein Börsenjahr wie 2019 nicht wirklich dem Standard entspricht.

Sämtliche OLZ Aktienstrategien konnten Q4 im Plus abschliessen und krönten damit ein äusserst positives Anlagejahr. Die Obligationenfonds hingegen büssten aufgrund des leichten Zinsanstiegs etwas an Terrain ein. Verglichen mit den jeweiligen Benchmarks lagen unsere risikobasierten Strategien deutlich zurück. Die durch das historisch tiefe Volatilitätsniveau bedingte Underperformance fällt im Q4 fast so spektakulär aus, wie die Outperformance vor einem Jahr. Tiefe Marktvolatilität darf jedoch nicht mit einem risikofreien Markt gleichgesetzt werden. In der Regel ist das Gegenteil der Fall. Einige gewichtige Investoren konstatierten ebenfalls, dass sich der aktuelle Höhenrausch auf dünnem Eis bewegt und setzen alles auf die Karte «Marktkorrektur». Wir wollen an dieser Stelle weder das Ende des Bullenmarktes verkünden, noch mit hohen Einsätzen zu spielen beginnen. Zentralbanken können Märkte über Jahre hinweg stützen. Statt diesbezüglich Prognosen zu wagen, fokussieren wir uns weiterhin darauf, langfristig effiziente Portfolios zu bilden, indem wir die Risikodimension konsequent miteinbeziehen. Ein Portfolio, das einzig und alleine auf die Maximierung der erwarteten Rendite ausgerichtet ist, hätte im Ausnahmejahr 2019 sicher substantiell besser abgeschnitten. In unseren Augen ist dies auch zukünftig kein Grund, von den fundamentalen Prinzipien in Sachen Anlagestrategie, Risikomanagement und Portfoliokonstruktion abzuweichen.

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