Nachhaltigkeit
02. Juni 2023
5 Minuten

Nachhaltig Anlegen mit OLZ - Einführung von Proxy Voting

Herrschte im Februar noch «Berichtssaison», stehen im Frühling die Generalversammlungen an. Zeit für die Unternehmensführung, vor den Aktionären über die vergangenen 12 Monate Rechenschaft abzulegen. Zeit für die Aktionäre, ihre Meinung zu äussern, die Zusammensetzung des Verwaltungsrats zu verändern oder dem Unternehmen eine neue Richtung zu geben. Doch was passiert mit den Stimmrechten, wenn man über einen Fonds an Firmen beteiligt ist? Im vierten Teil unserer Blogserie zum Thema Nachhaltigkeit möchten wir zeigen, wie dieses Thema bei OLZ angegangen wird.

Aktive Stimmrechtsausübung als Herausforderung

Liegen die Aktien direkt im eigenen Depot, werden die Anleger automatisch an die Generalversammlungen eingeladen. Es steht ihnen frei, (physisch oder heutzutage auch elektronisch) daran teilzunehmen oder ihre Stimme von unabhängigen Stimmrechtsvertretern ausüben zu lassen. Anders sieht es aus, wenn Aktien über einen Fonds gehalten werden. Hier obliegt es der Fondsleitung, die Stimmrechte auszuüben. Zudem befinden sich dutzende, wenn nicht gar hunderte von Einzeltiteln in einem Fondsportfolio, bestenfalls von Firmen, die über den ganzen Globus verteilt sind – die aktive Ausübung wird dann so oder so zur Herausforderung.

Noch vor einigen Jahren fristete die aktive Stimmrechtsausübung innerhalb von Aktienfonds ein Nischendasein. Einige wenige, aktivistisch geprägte Fonds waren die einzigen, die sich aus der Deckung wagten. Der grosse Rest schwamm hingegen mit dem Strom und stimmte in der Regel gemäss den Empfehlungen des Verwaltungsrates ab. Zwischenzeitlich hat sich das Verständnis geschärft, dass dies nicht im Einklang mit guter Corporate Governance sein kann.

Die Lösung: Proxy Voting

Governance als Teil von ESG bedeutet in diesem Kontext, als Vermögensverwalter die Stimmrechte im Sinne des Aktionärs (sprich des Kunden) auszuüben und definitiv nicht blind den Empfehlungen des Managements zu folgen. Die Geschichte hat wiederholt gezeigt, dass die Interessen von Verwaltungsrat, Management und Aktionariat nicht immer deckungsgleich verlaufen – kritisches Hinterfragen ist also definitiv angebracht.

Doch wer geht am Ende effektiv an die Generalversammlung? Und wer bestimmt die Regeln, nach denen die Stimmrechte ausgeübt werden? Wie in anderen Themenbereichen unseres Nachhaltigkeitsansatzes stützen wir uns schon rein aus Kapazitätsgründen auch hier auf externes Knowhow ab. Etablierte Stimmrechtsvertreter haben sich darauf spezialisiert, die Aktionäre gesammelt zu vertreten. Damit ist nicht nur die aktive Ausübung garantiert, sondern es wird damit auch die Schlagkraft für gemeinsame Anliegen erhöht. Die Vertreter orientieren sich bei den Abstimmungen an Richtlinien, die im Vorfeld mit dem Fondsanbieter (oder anderen institutionellen Anlegern) definiert wurden. Diese können für einen Fonds individuell ausgestaltet werden oder man schliesst sich einem bereits vorhandenen Regelwerk an, die ihrerseits auf breit abgestützten, internationalen Initiativen und Richtlinien basieren. Darunter fallen z.B. die UN Principles for Responsible Investment (UNPRI) oder der UN Global Compact.

Aktien Schweiz Fonds mit aktiver Stimmrechtsausübung

Die beiden Fonds OLZ Equity Switzerland Optimized ESG und OLZ Equity Switzerland Small & Mid Cap Optimized ESG waren unsere zwei ersten Produkte, bei denen die aktive Stimmrechtsausübung 2022 unter Einbindung von OLZ eingeführt wurde. Dabei arbeiten die OLZ und die Fondsleitung mit dem Anbieter ISS (Institutional Shareholder Services) zusammen, einem der global führenden Anbieter von Proxy Voting Services. ISS wiederum orientiert sich bei den Abstimmungen an den eigenen SRI (Socially Responsible Investing) Richtlinien. Diese umfassen Handlungsempfehlungen zur Verwaltungsratszusammensetzung, Kapitalstruktur oder Entschädigungspolitik, aber auch zu ökologischen und sozialen Themen.

Abbildung 1: Über 13% der Abstimmungen bei Unternehmen in unserem Aktien Schweiz Fonds erfolgten gegen die Empfehlung des Verwaltungsrates (Quelle: ISS, 2022)

Dass die Richtlinien auch effektiv greifen, zeigt die Auswertung der Abstimmungen für den Aktien Schweiz Fonds im Jahr 2022. Von total 641 zu behandelnden Geschäften stellte man sich in 85 Fällen gegen die Empfehlungen des Verwaltungsrates. Leider werden die meisten Vorlagen immer noch von vielen grossen Fondsanbietern einfach durchgewunken. Doch der Druck steigt, sich der Verantwortung gegenüber den Endkunden zu stellen und nachhaltigen Einfluss auf die Firmen zu nehmen – denn es gilt: Aktive Aktionäre stärken die Corporate Governance.

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