In den vergangenen Jahren sind die Aktienmärkte – insbesondere in den USA – kopflastiger geworden als je zuvor. Die sogenannten „Magnificent Seven“-Technologieaktien haben die Indexrenditen dominiert, und mit dem Aufstieg des passiven Investierens fliesst zunehmend Kapital in eben diese Werte. Doch bringt diese Konzentration neue Risiken mit sich, die Investoren berücksichtigen sollten – und die von traditionellen Modellen wie GARCH oder CAPM nicht erfasst werden?
Konzentration als strukturelles Merkmal
Robert Engle betont, dass dies nicht nur eine statistische Anomalie ist – sondern ein fundamentaler Wandel darin, wie Märkte zukünftige Innovationen bewerten, insbesondere rund um Künstliche Intelligenz (KI): „Wenn wir wirklich erwarten, dass die Vorteile von KI erheblich sein werden, möchte man involviert sein. Investoren bauen möglicherweise ein Portfolio, das wie ein Hedge aussieht – long Tech, short der Rest – in der Hoffnung zu profitieren, wenn KI liefert.“
Dies erklärt einen Teil der Bewertungsstory: Der Markt preist transformative zukünftige Wachstumserwartungen ein. Aber wenn „alle“ in denselben Trade drängen, brechen Diversifikation – und damit Resilienz – zusammen.
Engle: „Irgendwann wird dieses Hedge-Portfolio selbst zum Markt. Und genau da verschwindet die Diversifikation.“
Sind traditionelle Risikomodelle noch ausreichend?
Modelle wie GARCH oder Shrinkage zur Modellierung von Varianzen und Korrelationen, wie sie von Engle, De Nard und Koautoren vorgeschlagen wurden, sind für risikoorientierte Portfolios entscheidend. Allerdings gehen sie davon aus, dass Renditen und Volatilitäten kurzfristige Dynamiken widerspiegeln. Engle warnt jedoch: „Volatilitätsmodelle sagen nichts über langfristige Risiken. Sie zeigen, was für eine Weile zu erwarten ist, aber nicht die strukturellen Risiken durch langfristige Konzentration.“
Dies wird problematisch, wenn systemische Extremrisiken nicht in der täglichen Varianz sichtbar werden, sondern sich in extremen Bewertungen, erhöhter Schocksensibilität oder gemeinsamen Exponierungen über verschiedene Vermögensverwalter hinweg manifestieren. Engle plädiert daher für neue Instrumente – Modelle, die langfristige Exponierungen, thematische Clusterbildungen und Regimewechsel systematisch berücksichtigen.
Ist dies eine KI-Blase? Erinnerungen an die Dotcom-Ära
Die jüngste Tech-Rallye hat Vergleiche mit früheren Hypes hervorgerufen. Erleben wir eine weitere Blase? Engle erklärt es nicht ausdrücklich zur Blase, stellt jedoch extreme Bewertungen fest: „Wir sehen, dass einfache Bewertungskennzahlen – wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – historische Höchststände erreichen. Und wie wir in der Dotcom-Ära gesehen haben: Was schnell steigt, kann auch hart korrigieren.“
Gianluca De Nard ergänzt, dass die heutige Konzentration frühere Episoden widerspiegelt – insbesondere dann, wenn konstruierte Indizes US-Grossunternehmen überproportional berücksichtigen. Seiner Einschätzung nach ist die Illusion von Diversifikation tatsächlich real. „Manche glauben, der MSCI World sei ausreichend global diversifiziert, doch 72% davon entfallen auf US-amerikanische Werte – hauptsächlich Technologietitel. Das ist kein ausgewogenes Portfolio.“