Die Initialzündung gab Donald Trump am 1. April mit der Verkündung, die USA hätten fast alle Ziele im Iran erreicht und der Einsatz komme bald zu einem Ende. Die Aktienmärkte zogen sprunghaft an, und nach der Verkündung eines Waffenstillstands am 8. April fiel der Ölpreis von zwischenzeitlich 113 USD auf unter 80 USD zurück. Der Rebound war so heftig, dass der S&P 500 bereits am 15. April alle während des Iran-Konflikts erlittenen Verluste wettgemacht hatte und auf ein neues Rekordhoch geklettert war. Das Quartal schloss der amerikanische Leitindex Index mit einem Plus von 16.3 %.
Getragen wurde die Rallye fast ausschliesslich vom IT-Sektor (+34.9 %), sowie von Unternehmen, die am Ausbau der KI-Infrastruktur beteiligt sind. Diese Beschleunigung verschärfte die historisch hohen Bewertun-gen und die extreme Marktkonzentration weiter: Im Durchschnitt von acht gängigen Bewertungskennzah-len notiert der US-Markt laut Bloomberg auf dem höchsten Stand seit 1900. Die Top-10-Titel im S&P 500 machen heute rund 41 % des Index aus (Dotcom-Hoch: 26.6 %) und steuern fast die Hälfte des Indexrisi-kos bei. Wer einen breiten US-Index kauft, geht faktisch eine konzentrierte Wette auf wenige sehr grosse Tech- und KI-Titel ein – renditeverstärkend in der Aufwärtsphase, aber verwundbar gegenüber sektorspezi-fischen Rückschlägen. Sinnbild für die Marktstimmung war der Börsengang von SpaceX am 12. Juni: Mit einer Bewertung von rund 1.77 Bio. USD war es der mit Abstand grösste IPO der Geschichte. Trotz einer astronomischen Bewertung von etwa dem 90-Fachen des Jahresumsatzes waren die Aktien stark über-zeichnet und stiegen am ersten Handelstag um weitere 20 %. Elon Musk wurde damit zum ersten Billionär der Geschichte, tausende SpaceX-Mitarbeitende zu Millionären.
Der MSCI World legte auf Quartalssicht um 14.8 % zu, getragen von den starken US-Ergebnissen und deren enormer Indexgewichtung von über 72 %. Die zyklischen Sektoren gewannen global 17.9 %, wäh-rend die defensiven mit +1.1 % praktisch unverändert blieben. Auch der japanische Markt wurde vom KI-Fieber erfasst (Nikkei 225 +35.5 %) und hat mit dem Speicherhersteller Kioxia Holdings (+363.7 %) ein neu-es Indexschwergewicht, das noch vor wenigen Monaten kaum jemandem ein Begriff war und erst im April in den Leitindex aufgenommen wurde.
Auch Europa profitierte (MSCI Europe +12.0 %), wobei der Schweizer SPI mit +12.2 % zu den Gewinnern zählte. Zwar war die Rallye wegen der grösseren Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten in Europa breiter abgestützt als in den USA, doch profitierten auch hier die Zulieferer der Halbleiterindustrie besonders stark vom KI-Boom. So legten im zweiten Quartal ASML (Niederlande) um 53.9 %, Infineon (Deutschland) um 114.6 %, STMicroelectronics (Frankreich) um 125.3 % und Nokia (Finnland) um 70.5 % zu – um nur einige Beispiele zu nennen. Im Schweizer Markt waren Centiel (+141.1 %), Ams OSRAM (+112.3 %) und Inficon (+86.0 %) die klaren KI-Gewinner.
Besonders ausgeprägt zeigte sich der KI-Boom in den Schwellenländern ohne China: Der MSCI Emerging Markets ex China legte um 35.04 % zu – die stärkste Quartalsperformance seit über 20 Jahren. Getragen wurde sie vor allem von den Märkten in Taiwan (TWSE +48.3 %) und Südkorea (KOSPI +65.9 %), die im MSCI Emerging Markets inzwischen jeweils deutlich mehr Gewicht auf sich vereinen als China und Indien. Zudem ist auch dieser Index stark IT-lastig geworden: Der Sektor macht rund 43.84 % aus, allein TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix bringen es zusammen auf knapp 30 %. Ein passives Investment in den beliebten Schwellenländer-Index ist damit faktisch zu einer Wette auf die asiatische Seite der KI-Rallye ge-worden.
Am Ende des zweiten Quartals stehen die globalen Aktienmärkte damit überwiegend auf neuen Rekord-ständen, doch auch die Bewertungsniveaus und die Marktkonzentration sind auf historische Höchstwerte gestiegen. In der zweiten Jahreshälfte wird sich zeigen, ob diese schwindelerregende Dynamik anhält und die hohen Bewertungen gerechtfertigt sind. In der Vergangenheit sind auf Technologie-Rallyes immer wie-der Marktkorrekturen gefolgt, aus denen defensive und risikoärmere Branchen und Unternehmen als Ge-winner hervorgingen. Aufgrund der in unseren risikobasierten Aktienstrategien bestehenden Übergewichtung solcher Unternehmen sollten wir bei einer erneuten Rotation überdurchschnittlich profitieren. Das erste Quartal 2025 wie auch dasjenige 2026 haben gezeigt, wie schnell eine Rotation aus IT-Aktien hinein in si-cherere Titel stattfinden kann, sobald das KI-Narrativ unter Druck gerät. Mit den jüngsten Kurssprüngen ist das Rückschlagrisiko jedenfalls nochmals deutlich gestiegen.